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Pharmakogenetik Teil 3: Statine

Eine weitere Arzneistoffgruppe, für die pharmakogenetische Tests angeboten werden, sind die Statine. Sie werden zur kardiovaskulären Risikoreduktion eingesetzt, u.a. zur Senkung eines erhöhten Cholesterolspiegels.Pharmakogenetische Tests werden angeboten, um auf Ansprechen und Verträglichkeit zu testen. So werden Variationen in der Zielstruktur HMG-CoA-Reduktase mit einer verringerten Wirksamkeit in Verbindung gebrachte, genetische Veränderungen in verschiedenen Transportproteinen mit einem erhöhten Risiko für Myopathien. In retrospektiven Analysen ist ein Zusammenhang zwischen Polymorphismen für das SLCO1B1-Gen und Myopathien bei einer Simvastatin-Therapie nachgewiesen worden.

Wie groß tatsächlich der klinisch nachgewiesene Nutzen eines solchen genetischen Tests ist, ist unter Experten jedoch umstritten. So fehlen nach Recherchen des arznei-telegramms (a-t 2014; 45: 48, 53-4) prospektive randomisierte Studien, die einen klinischen Nutzen der Genotypisierung bei Simvastatin vor Behandlungsbeginn nachweisen. Das absolute Risiko ist in den retrospektiven Analysen selbst für homozygote Träger der genetischen Varianten sehr gering und vor allem bei einer Hochdosis-Therapie relevant. Hinzu kommt, dass Myopathien unter Statinen auch bei Patienten ohne Polymorphismen in den entsprechenden Genen auftreten können.

Auch der diesjährige Innovationsreport der TK beschäftigt sich mit den Gentests und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis und verweist auch darauf, dass die genetische Abklärung den Patienten auch in falscher Sicherheit wiegen kann, so dass er mögliche Symptome nicht richtig einordnet. Zur Verringerung des Myopathie-Risikos werden auch mögliche Alternativen vorgeschlagen (S. 113/114):
  • Verzicht auf die Hochdosis-Therapie mit Simvastatin (stattdessen max. 40 mg/d)
  • Sensibilisierung der Patienten für Symptome von Nebenwirkungen an der Muskulatur (z.B. nicht erklärliche Muskelschmerzen)
  • Messung der Creatinkinase als Marker für Muskelschäden



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