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Lesetipp: Zum Silberjubiläum der evidenzbasierten Medizin

Die Bewegung der evidenzbasierten Medizin begann in den 1990er Jahren. Was hat sie in den letzten 25 Jahren erreicht, was hat sich verändert und welche Baustellen liegen noch für das nächste Vierteljahrhundert vor ihr? Zu diesen Fragen haben Benjamin Djulbegovic und Gordon Guyatt eine sehr lesenswerte Übersicht im Lancet veröffentlicht (leider nicht open access). Hier ein paar Schlaglichter:



  • EbM beruht auf drei grundlegenden theoretischen Prinzipien: 1) Nicht alle Evidenz ist gleich, und die medizinische Praxis sollte auf der besten verfügbaren Evidenz beruhen. 2) Dabei sollte man die Gesamheit der Evidenz berücksichtigen und nicht selektiv die Evidenz auswählen, die einem am besten passt. 3) Für die medizinische Entscheidungsfindung müssen die Werte und Präferenzen des Patienten berücksichtigt werden. 
  • Bei der Bewertung der Evidenz sind starre Hierarchien ("Evidenzpyramide") für die meisten Fälle nicht ausreichend. Wesentlich flexibler ist GRADE, das sich heutzutage für die Bewertung der Evidenz durchgesetzt hat.
  • Eine wichtige Entwicklung für die Berücksichtigung der gesamten Evidenz war die Erstellung systematischer Reviews, die im Idealfall auch die Grundlage klinischer Leitlinien sind.
  • Das Biasrisiko in klinischen Studien lässt sich nur bewerten, wenn die Details der Durchführung und Auswertung auch in den Studienberichten und Publikationen auftauchen. Deshalb kommt auch der Entwicklung von Reporting Guidelines ein wichtiger Stellenwert zu.
  • Für die Verbreitung von Evidenz sind in den letzten Jahren strukturierte Systeme wichtig geworden, die Evidenz zusammenfassen und bewerten. Allerdings ist die Qualität sehr heterogen.
  • Um shared decision making möglich zu machen, sind eine ganze Reihe von Entscheidungshilfen entwickelt worden. Aber wir brauchen noch mehr davon.
  • Zu den wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre gehören aber auch einige Probleme, zu denen es zwar erste Lösungsansätze gibt, bei denen aber wir noch weit von einer grundlegenden Lösung entfernt sind. Dazu gehören etwa die verschiedenen Formen des Publication bias sowie die zeitnahe Produktion und Dissemination aufbereiteter Evidenz.

Lancet, Online First 17.02.2017, DOI 10.1016/S0140-6736(16)31592-6

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