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Podcast Evidenzbasierte Pharmazie - Teil 4: Quantitative Angaben in RCTs

In dieser Folge erkläre ich, welche quantitativen Angaben man in RCTs findet und wie man diese kritisch beurteilen kann. Dazu muss man sich mit der Aussagekraft verschiedener Effektmaße beschäftigen. Dazu gehören etwa die relative Risikoreduktion, die absolute Risikoreduktion, die Number needed to treat oder das Odds ratio.





Im Podcast benutze ich das folgende Beispiel: In einem RCT wird untersucht, ob ein neues Arzneimittel gegenüber der Standardtherapie bei Patienten mit Vorhofflimmern einen Schlaganfall verhindern kann. Jede Gruppe umfasst 2500 Patienten (insgesamt also 5000) - diese Patienten werden über einen Zeitraum von fünf Jahren behandelt. In der Behandlungsgruppe treten 75 Schlaganfälle auf, in der Kontrollgruppe 100.

Die 4-Felder-Tafel dazu sieht so aus:



Um die Rechnungen nachzuvollziehen, braucht man die folgenden Formeln:

  • Das Relative Risiko (RR) beschreibt das Risiko, dass ein Ereignis in der Behandlungsgruppe auftritt im Vergleich zur Kontrollgruppe. 

    RR = Ereignisrate in der Behandlungsgruppe : Ereignisrate in der Kontrollgruppe

    Bei RR = 1 gibt es keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

  • Die relative Risikoreduktion (RRR) beschreibt die relative Abnahme der Ereignisrate in der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe.

    RRR (%) = 100 x (1 - RR)

  • Die absolute Risikoreduktion (ARR) ist der Betrag der Differenz der Ereignisraten von Behandlungs- und Kontrollgruppe.

    ARR = |Ereignisrate in der Behandlungsgruppe – Ereignisrate in der Kontrollgruppe|

  • Die Number needed to treat (NTT) beschreibt die Anzahl der Patienten, die behandelt werden müssen, um das Ereignis zu vermeiden.

    NNT = 1/ARR

In unserem Beispiel berechnen sich die Effektmaße also so:
  • RR= (75/2500) : (100/2500) = 0,75 
  • RRR = 100 x (1 - 0,75) = 25 % 
  • ARR = |(75/2500) – (100/2500) | = 0,01 oder 1 % 
  • NNT = 1/0,01 = 100 
  • Das neue Arzneimittel senkt das Risiko eines Schlaganfalls also relativ um 25 Prozent. Die absolute Risikoreduktion beträgt jedoch nur 1 Prozent. Anders ausgedrückt: Man muss 100 Patienten über einen Zeitraum von fünf Jahren mit dem neuen Arzneimittel statt der Standardtherapie behandeln, um einen Schlaganfall mehr zu verhindern. 

Und hier noch die Links zu weiterführender Literatur:
  • Interpretation von 4-Felder-Tafeln (Beitrag im Ärzteblatt
  • Wie Statistiken täuschen können (Artikel von Klaus Koch)
  • Weiterführende Infos zur NNT
  • EbM-Glossar des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

    Verwendete Musik: Ausschnitte aus „I dunno“ von grapes unter CC BY 3.0

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