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Screening ist doch immer gut - oder nicht?

Als ich Anfang Oktober einen Artikel für "Plan G" zum Thema Früherkennung geschrieben habe (€), ahnte ich noch nicht, dass es in den Tagen und Wochen danach unzählige aktuelle Anlässe geben würde, den Artikel zu posten und darauf hinzuweisen, dass Früherkennung nicht das gleiche ist wie Vorsorge und dass Früherkennung nicht immer nützt und manchmal sogar schadet. War vielleicht auch ein bisschen naiv, denn der Oktober ist ja als "Brustkrebs-Monat" etabliert und das ruft natürlich eine ganze Menge irreführende Werbung für Brustabtasten, Mammografie und Co. auf den Plan. Und im "Movember" geht es um Männergesundheit (also auch um Prostatakrebs, Hodenkrebs etc.). Also hätte mir eigentlich auch klar sein müssen, dass auch im November noch einiges zum Thema los sein würde (und der Monat ist noch nicht vorbei).

Schön wäre es, wenn sich die schlechten Beispiele nur auf die USA beziehen würden, z.B. wie hier ein atemberaubendes Exempel, wie schlechter Journalism…

Evidenz-Geschichten: Smoking kills

Nach etwas längerer Pause ist endlich wieder eine Evidenz-Geschichte erschienen. Darin geht es vordergründig um die Frage, wie eigentlich die Erkenntnis entstanden ist, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht - obwohl doch "nur" Daten aus Beobachtungsstudien vorlagen. Im Experten-Interview erklärt Prof. Dr. Eva Rehfuess von der LMU München, was von der Geschichte heute noch wichtig ist. Dabei geht es um evidenzbasierte Public Health und wann trotz Limitationen in der Studienlage dennoch Handlungen gefordert sind. Aber hört selbst...

Kleiner Tipp: Die ShowNotes könnt ihr direkt im Player sehen, wenn ihr auf das kleine "i" klickt.




Podcast Evidenzbasierte Pharmazie: Ausgabe September 2019

Nach einer kleinen schöpferischen Sommerpause (*hust*) gibt es endlich wieder eine neue Episode des Podcasts Evidenzbasierte Pharmazie. Es geht dieses Mal um neue Evidenz-Aufarbeitungen zu Mundgesundheit und so manchem vermeintlichen Wundermittel. Gibt es eigentlich neue Daten zur Pille danach? Und ein Rant über manche medizinische Fachgesellschaften.

Die vollständigen ShowNotes gibt es auf der Podcast-Seite bei Podigee.

Eminenz statt Evidenz - immer noch

Wir schreiben das Jahr 2019. Die evidenzbasierte Medizin hat ihren Siegeszug durch die Gesundheitsversorgung angetreten und so gut wie alle Patientinnen und Patienten erhalten nur Behandlungen und diagnostische Maßnahmen, die ihnen nachgewiesenermaßen mehr nützen als schaden ...

Schön wär's. Die letzte Zeit hat leider mal wieder demonstriert, wie weit wir eigentlich von einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung entfernt sind. Und daran haben auch die medizinischen Fachgesellschaften ihren Anteil. Ein paar Beispiele gefällig, die heute morgen auf Twitter zusammengetragen wurden?


 Werner Bartens zeigt in der Süddeutschen ein wiederkehrendes Motiv beim Berufsverband der Frauenärzte auf.


Sehr hübsch auch, wie eine negative Studie zur Schulter-Arthroskopie kleingeredet wird. Man achte besonders auf den Nachsatz "We don't believe in evidence-based medicine". Wer erklärt den Fachgesellschaften nochmal den Unterschied zwischen Glaubenssätzen und wissenschaftlichen Belege…

Hörtipp: Aus dem "Presseclub für alle"

Was ich bisher auf diesem Kanal nicht erwähnt hatte: Anfang Juli war ich im "Presseclub für alle" in der Zentralbibliothek Berlin zu Gast. Der Presseclub ist eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit Riffreporter, wo das Online-Magazin "Plan G - Gesundheit verstehen" erscheint.

In der Veranstaltung ging es eigentlich um die Frage, wie sich gute Gesundheitsinformationen im Netz finden lassen. Der Audio-Mitschnitt verrät aber, dass es auch um viele andere Themen in Sachen Gesundheit ging. Aber hört selbst... (Audio öffnet im neuen Tab).

Was bisher im Presseclub geschah und welche weiteren Veranstaltungen geplant sind, könnt ihr auf der Webseite der ZLB nachlesen. Wenn ihr in Berlin seid, geht hin - es lohnt sich!

Hörtipp: Was ich kürzlich gut fand

Heute gibt es mal zwei Empfehlungen für einzelne Podcast-Episoden, die ich kürzlich gehört habe und ich bemerkenswert fand:

Die Frage von Storytelling und Wissenschaftskommunikation treibt mich immer wieder um. Deshalb habe ich die Episode des Märchenonkel-Podcasts mit großer Spannung gehört, in der Nicolas Wöhrl vom Podcast Methodisch inkorrekt über dieses Thema redet.

Kein neues Thema, nicht zum ersten Mal gehört, aber trotzdem nochmal interessant: Wie geht gute Wissenschaft in der präklinischen Forschung - und mit welchen Hindernissen müssen Menschen rechnen, die sich mit dieser Frage beschäftigen? Der "Kritisches Denken"-Podcast hat dazu Ulrich Dirnagl vom QUEST-Center in Berlin befragt.

Lesetipp: Zusatznutzen neuer Arzneimittel

Nicht alle neuen Arzneimittel, die auf den Markt kommen, haben tatsächlich einen Zusatznutzen für Patient*innen. Eine quantitative Übersicht zu Daten, die das IQWiG im Rahmen der AMNOG-Verfahren gesammelt hat, ist kürzlich im BMJ erschienen. Darin werden die Ergebnisse von 216 Bewertungen aus den Jahren 2011 bis 2017 (ohne Orphan Drugs) präsentiert:*

kein Zusatznutzen: 53 %geringerer Nutzen: 0 %nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen: 6 %geringer Zusatznutzen: 15 %beträchtlicher Zusatznutzen: 25 %erheblicher Zusatznutzen: < 1 % Sehr aufschlussreich sind auch die zusätzlichen Auswertungen: So sind die meisten neuen Wirkstoffe im Bereich der Onkologie auf den Markt gekommen. Arzneistoffe ohne Zusatznutzen finden sich besonders häufig in der Psychiatrie/Neurologie sowie Diabetologie. Die Autor*innen argumentieren, dass dafür auch teilweise die Zulassungsanforderungen verantwortlich sind, die in diesen Indikationen häufig Studien mit ausschließlicher Placebo-Kontrolle erfordern bzw. erlau…