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Video-Tipp: Bias in nutrition research

Verlängert Kaffee das Leben? Aber nicht, wenn man viele gesättigte Fettsäuren zu sich nimmt? Oder doch ganz anders? Diese Fragen schießen einem durch den Kopf, wenn man die Berichterstattung über Ernährungsstudien verfolgt. Was an dem einen Tag noch ungesund ist, wird kurze Zeit später schon als "nicht so dramatisch" eingestuft.

Abgesehen von den bekannten Mängeln bei der Berichterstattung liegt ein Teil des Problems tatsächlich auch in der Ernährungsforschung selbst. Davon ist John Ioannidis überzeugt. Eine schöne Zusammenfassung liefert er in einem Vortrag, den er im Juni bei einer Konferenz zu Ernährungswissenschaft und -Politik gehalten hat.



Zeitgleich gab es übrigens im BMJ unter der Überschrift "Food for thought" eine Artikelserie zu ausgewählten Aspekten des Problems - sehr lesenswert!

Rezension: Wie hältst du es mit deinen Interessenkonflikten?

Erfreulicherweise ist das Thema Interessenkonflikte in den letzten Jahren im medizinischen Umfeld immer mehr ins Bewusstsein gerückt. Bei der Vertiefung der Problematik hilft ein neu erschienenes Werk.

Erst seit 2016 ist es Angehörigen der Heilberufe strafrechtlich untersagt, im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit finanzielle Vorteile anzunehmen. Aber auch jenseits davon gibt es in der Medizinbranche jede Menge Graubereiche, bei denen die Versorgung von Patientinnen und Patientinnen möglicherweise durch andere Interessen beeinträchtigt werden kann. Das Buch „Interessenkonflikte, Korruption und Compliance im Gesundheitswesen“ leuchtet die schummrigen Ecken aus und schärft die Wahrnehmung der Leserinnen und Leser für mögliche Probleme.

Neben Begriffsklärungen zu Korruption und Interessenkonflikten und den damit verbundenen psychologischen Mechanismen geben die Texte der verschiedenen Autorinnen und Autoren Einblicke in ein breites Spektrum unterschiedlicher Bereiche, in denen das Thema ein…

Podcast Evidenz-Geschichte(n): Einfluss von Sternzeichen?

Im August 1988 erscheint in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" eine Studie, zu der auch eine Auswertung des Therapieeffekts nach Sternzeichen gehört. Was auf den ersten Blick als esoterischer Unsinn erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als didaktischer Geniestreich des britischen Statistikers Richard Peto.



Die Quellen gibt es wie immer auf der Podcast-Seite bei Podigee.

Podcast Evidenzbasierte Pharmazie: Journalclub im Juli

Im Juli schauen wir uns eine Studie an, die den Nutzen von Kürbiskernextrakt bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) untersucht.

BPH ist eindeutig ein Krankheitsbild, das in ärztliche Behandlung gehört. Dennoch suchen viele Patienten auch Hilfe in der Selbstmedikation. Angeboten wird beispielsweise Kürbiskern-Extrakt. Aber welchen Nutzen kann man betroffenen Patienten tatsächlich versprechen?

In dieser Episode ist Viktoria Mühlbauer zu Gast. Sie gehört zum VdPP und wir kennen uns aus dem EbM-Netzwerk. Gemeinsam schauen wir uns eine Studie aus 2015 an.

Den freien Volltext der Studie könnt ihr euch hier herunterladen.

Vahlensieck W et al. Effects of Pumpkin Seed in Men with Lower  Urinary Tract Symptoms due to Benign Prostatic  Hyperplasia in the One-Year, Randomized,  Placebo-Controlled GRANU Study. Urol Int 2015;94:286-295 https://doi.org/10.1159/000362903

Weitere Infos zu Kürbiskern-Extrakt bei BPH findet ihr bei medizin-transparent (Stand 2017).

Und nun viel Spaß beim Zuhören und Mit-…

Hörtipp: Podcast "Free associations"

Zum Freitag gibt es mal wieder eine Podcast-Empfehlung:

Alle zwei Wochen erscheint seit September 2017 eine neue Episode des "Free Associations"-Podcasts. Darin widmen sich die Epidemiologen Matt Fox, Chris Gill und Don Thea von der Boston School of Public Health ihren liebsten Themen: Studien, Wissenschaft im Allgemeinen und was die Arbeit lustig und erträglich macht. Entsprechend gibt es im Podcast drei Abschnitte:

Im "Journal Club" nehmen die drei Gastgeber eine aktuelle Studie auseinander, oft auch zu einem Thema, das gerade durch die Nachrichten geistert: Schützt Schokolade vor Herzrhythmusstörungen? Wie wirken sich Süßstoffe auf das Körpergewicht aus? Und erhöht glutenfreie Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Im zweiten Abschnitt geht es dann um Themen, die für die Wissenschaft als solche wichtig sind: Wie gut funktioniert das Peer-review-System? Was ist ethische Forschung? Und wie unterscheiden sich eigentlich eine Beobachtungsstudie und e…

Buchtipp: Unanticipated outcomes

Dass bei die Welt bei den medizinischen Fachzeitschriften alles andere als in Ordnung ist, ist kein Geheimnis. Nur selten hat man jedoch die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Den bietet die Autobiografie von Jerome Kassirer, dem ehemaligen Editor in Chief des New England Journal of Medicine (NEJM).

"Unanticipated Outcomes: A Medical Memoir" ist dabei auf mehreren Ebenen spannend: Es erzählt die Geschichte eines "underdogs", der es nach vielen Rückschlägen schließlich schafft, Medizin zu studieren und Arzt zu werden, der eine große Leidenschaft mitbringt und Interesse an seinen Patienten.

Noch interessanter ist jedoch der Teil, in dem er von seinen Erlebnissen beim NEJM in den Jahren 1991 bis 1999 berichtet: Beeindruckend ist seine Weitsicht, nicht nur nützliche Themen für den klinischen Alltag aufzunehmen, sondern auch diejenigen, die für gute Medizin notwendig sind, die Reflexion über das ärztliche Handeln anregen und oft ihrer Zeit voraus s…

Evidenzsprechstunde: Bei dicken weißen alten Männern hilft es doch...

Endlich gibt es mal wieder eine neue Folge der Evidenz-Sprechstunde. Und sie beschäftigt sich mit einem Thema (oder besser gesagt: Problem), das den geneigten Leserinnen und Lesern sicher häufiger in der wissenschaftlichen Literatur unterkommt: Subgruppenanalysen. Bei einer Subgruppenanalyse werden die Ergebnisse nach bestimmten Eigenschaften der Patienten nochmal anders ausgewertet, zum Beispiel: Ist der Nutzen bei Menschen über 60 höher als bei solchen bis 60 Jahre? Oder bei Männern höher als bei Frauen?

Schauen wir uns mal ein Beispiel aus der Werbung an, konkret aus einer Pressemitteilung zu einer Studie mit einem Ginkgo-Extrakt zur Vorbeugung einer Demenz. Da heißt es: "Ein Schutz vor Alzheimer kann bei langfristiger regelmäßiger Einnahme...erwartet werden: Bei Einnahme über mindestens vier Jahre war das Alzheimer-Risiko fast halbiert...Zwar reichte die Anzahl der Demenz-Fälle nicht aus, um die Wirkung für alle Studienteilnehmer statistisch zu beweisen. In einer vorab gepla…