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Posts

Podcast Evidenz-Geschichten: Veränderte Endpunkte

Wenn Endpunkte in klinischen Studien nachträglich geändert werden, kann das das Ergebnis dramatisch verzerren. Das ist seit langem bekannt. Warum kontrollieren medizinische Fachzeitschriften das nicht strenger? Diese Frage hat sich die COMPare-Initiative aus Oxford gestellt - und bei der Suche nach Antworten erschreckende Entdeckungen gemacht.

Streit um HPV-Review - continued

Vor einigen Wochen hatte ich ja bereits über die aktuelle Debatte um einen Cochrane-Review zur HPV-Impfung berichtet. Inzwischen ist einiges passiert:

Cochrane hat eine Untersuchung der Angelegenheit veröffentlicht. In sehr scharfem Ton weisen David Tovey und Karla Soares-Weiser, Chefredakteure bei Cochrane, die Kritik zurück und bezeichnen sie als übertrieben. Die Untersuchung selbst umfasst 30 Seiten. Darin wird u.a. beschrieben, dass zwei der Cochrane-Autoren den Studienindex mit den Einschlusskriterien des Reviews überprüft haben und fünf Studien gefunden haben, die in der ursprünglichen Version nicht enthalten waren. Die Kritiker kommen in ihrer Rechnung dagegen auf 20 Studien, die im Cochrane Review fehlen sollen. Diese Diskrepanz ist bisher nicht aufgelöst. In der neuen Cochrane-Auswertung wurden die fünf Studien in die Meta-Analyse eingeschlossen, führten aber nicht zu veränderten Schlussfolgerungen. Weitere Details finden sich in der frei zugänglichen Dokumentation.Damit ist …

Hörtipp: Podcast Plenary Session

Es gibt einen neuen Podcast zu Medizinthemen, der sehr hörenswert ist: Plenary Session. Host ist Vinay Prasad, den einige vielleicht aus engagierten medizinischen Diskussionen von Twitter kennen. Er ist Hämatologe/Onkologe, EbM-Enthusiast und Ko-Autor des lesenswerten Buches "Ending Medical Reversal".

Klarer Schwerpunkt von Plenary Session sind kritische Anmerkungen zu neuen onkologischen Studien. Dabei erfährt man aber auch viel Grundsätzliches zur kritischen Bewertung von klinischen Studien, etwa was die Patientenrelevanz von Endpunkten angeht. Im Interview-Teil streift Prasad auch andere Themen wie Gesundheitspolitik und befragt seine Gäste etwa zum Nutzen von #medtwitter.

Bisher sind fünf Episoden erschienen. Wenn man die bisherige Frequenz als Maßstab nimmt, werden es bald einige mehr sein.

Gehostet wird Plenary Session auf Soundcloud, dank iTunes-Eintrag ist der Podcast aber über beliebige Podcatcher leicht auffindbar.

Dringende Hörempfehlung!

Freie Volltexte - continued

Im letzten Jahr hatte ich bereits über 10 freie Wege zum Volltext berichtet. Auf der Seite von Björn Brembs bin ich noch auf ein paar weitere Hinweise gestoßen. Und damit es nicht bei einer reinen Aufzählung bleibt, habe ich die Tipps gleich einmal mit ein paar aktuellen Artikeln aus 2018 ausprobiert.

Das waren meine (willkürlich ausgewählten) Testkandidaten (alle hinter einer Paywall, Google Scholar und Unpaywall führen auf keine freien Treffer):

Opioid Prescribing in the United States Before and After the Centers for Disease Control and Prevention's 2016 Opioid Guideline (Annals of Internal Medicine, DOI: 10.7326/M18-1243)What is the threshold for a clinical minimally important drug effect? (BMJ Evidence-based medicine, http://dx.doi.org/10.1136/bmjebm-2018-111056)GRADE guidelines: 18. How ROBINS-I and other tools to assess risk of bias in nonrandomized studies should be used to rate the certainty of a body of evidence (Journal of Clinical Epidemiology, Elsevier, https://doi.org/…

Lesetipp: Diskussion um den Cochrane-Review zur HPV-Impfung

Anfang Mai diesen Jahres erschien ein Cochrane-Review, der sich mit Nutzen und Risiken der HPV-Impfung zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen beschäftigte. Auf den ersten Blick eine ganz normale Publikation. Der Review hat allerdings eine interessante Vorgeschichte - und auch die aktuelle Veröffentlichung hat bereits zu einer kontroversen Diskussion geführt. Aber mal ganz von Anfang an...

Im April 2011 erschien das erste Protokoll des Reviews, an dem insgesamt 14 Autoren beteiligt waren. Nach Protesten wegen zahlreicher Interessenkonflikte schieden einige der Autoren aus und ein überarbeitetes Protokoll erschien im Dezember 2013. Im Mai 2018 wurde jetzt der Review veröffentlicht - und führte erneut zu Protesten:

Ein Autorenteam des Nordic Cochrane Center und des CEBM in Oxford wies darauf hin, dass es Anfang Januar eine Zusammenstellung von insgesamt 206 vergleichenden HPV-Studien veröffentlicht hatte, von denen ihrer Meinung nach 46 die Einschlusskriterien des…

Video-Tipp: Bias in nutrition research

Verlängert Kaffee das Leben? Aber nicht, wenn man viele gesättigte Fettsäuren zu sich nimmt? Oder doch ganz anders? Diese Fragen schießen einem durch den Kopf, wenn man die Berichterstattung über Ernährungsstudien verfolgt. Was an dem einen Tag noch ungesund ist, wird kurze Zeit später schon als "nicht so dramatisch" eingestuft.

Abgesehen von den bekannten Mängeln bei der Berichterstattung liegt ein Teil des Problems tatsächlich auch in der Ernährungsforschung selbst. Davon ist John Ioannidis überzeugt. Eine schöne Zusammenfassung liefert er in einem Vortrag, den er im Juni bei einer Konferenz zu Ernährungswissenschaft und -Politik gehalten hat.



Zeitgleich gab es übrigens im BMJ unter der Überschrift "Food for thought" eine Artikelserie zu ausgewählten Aspekten des Problems - sehr lesenswert!

Nachtrag 24.08. Gestern ist in JAMA übrigens eine Zusammmenfassung der Probleme in der Ernährungsforschung von John Ioannidis erschienen.

Rezension: Wie hältst du es mit deinen Interessenkonflikten?

Erfreulicherweise ist das Thema Interessenkonflikte in den letzten Jahren im medizinischen Umfeld immer mehr ins Bewusstsein gerückt. Bei der Vertiefung der Problematik hilft ein neu erschienenes Werk.

Erst seit 2016 ist es Angehörigen der Heilberufe strafrechtlich untersagt, im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit finanzielle Vorteile anzunehmen. Aber auch jenseits davon gibt es in der Medizinbranche jede Menge Graubereiche, bei denen die Versorgung von Patientinnen und Patientinnen möglicherweise durch andere Interessen beeinträchtigt werden kann. Das Buch „Interessenkonflikte, Korruption und Compliance im Gesundheitswesen“ leuchtet die schummrigen Ecken aus und schärft die Wahrnehmung der Leserinnen und Leser für mögliche Probleme.

Neben Begriffsklärungen zu Korruption und Interessenkonflikten und den damit verbundenen psychologischen Mechanismen geben die Texte der verschiedenen Autorinnen und Autoren Einblicke in ein breites Spektrum unterschiedlicher Bereiche, in denen das Thema ein…