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Hörtipp: Was ich kürzlich gut fand

Heute gibt es mal zwei Empfehlungen für einzelne Podcast-Episoden, die ich kürzlich gehört habe und ich bemerkenswert fand:

Die Frage von Storytelling und Wissenschaftskommunikation treibt mich immer wieder um. Deshalb habe ich die Episode des Märchenonkel-Podcasts mit großer Spannung gehört, in der Nicolas Wöhrl vom Podcast Methodisch inkorrekt über dieses Thema redet.

Kein neues Thema, nicht zum ersten Mal gehört, aber trotzdem nochmal interessant: Wie geht gute Wissenschaft in der präklinischen Forschung - und mit welchen Hindernissen müssen Menschen rechnen, die sich mit dieser Frage beschäftigen? Der "Kritisches Denken"-Podcast hat dazu Ulrich Dirnagl vom QUEST-Center in Berlin befragt.

Lesetipp: Zusatznutzen neuer Arzneimittel

Nicht alle neuen Arzneimittel, die auf den Markt kommen, haben tatsächlich einen Zusatznutzen für Patient*innen. Eine quantitative Übersicht zu Daten, die das IQWiG im Rahmen der AMNOG-Verfahren gesammelt hat, ist kürzlich im BMJ erschienen. Darin werden die Ergebnisse von 216 Bewertungen aus den Jahren 2011 bis 2017 (ohne Orphan Drugs) präsentiert:*

kein Zusatznutzen: 53 %geringerer Nutzen: 0 %nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen: 6 %geringer Zusatznutzen: 15 %beträchtlicher Zusatznutzen: 25 %erheblicher Zusatznutzen: < 1 % Sehr aufschlussreich sind auch die zusätzlichen Auswertungen: So sind die meisten neuen Wirkstoffe im Bereich der Onkologie auf den Markt gekommen. Arzneistoffe ohne Zusatznutzen finden sich besonders häufig in der Psychiatrie/Neurologie sowie Diabetologie. Die Autor*innen argumentieren, dass dafür auch teilweise die Zulassungsanforderungen verantwortlich sind, die in diesen Indikationen häufig Studien mit ausschließlicher Placebo-Kontrolle erfordern bzw. erlau…

Lesetipp: Medical reversal – ein Update

Leider ein weit verbreitetes Phänomen: Neue Behandlungs- und Untersuchungsmethoden werden voller Euphorie und Hype in die Gesundheitsversorgung gebracht, obwohl sie unzureichend untersucht sind. Werden dann endlich mal ordentliche Studien gemacht, stellt sich nicht selten heraus: Die Maßnahmen waren doch nicht so hilfreich wie gedacht oder richten manchmal sogar mehr Schaden an, als sie nutzen.

Für dieses Phänomen haben Vinay Prasad und Adam Cifu den Begriff „medical reversal“ geprägt und sogar ein ganzes Buch zum Thema geschrieben. Das hatte ich bereits hier besprochen.

Die Grundlage des Buches bildete eine Analyse aus dem Jahr 2013. Die haben die Autoren mit einem größeren Team jetzt erweitert und aktualisiert. Für den Artikel haben die Wissenschaftler*innen drei große medizinische Fachzeitschriften (JAMA, Lancet, NEJM) systematisch durchsucht. Die Zeiträume umfassten für JAMA und Lancet 2003 bis 2017, im NEJM (in Ergänzung der vorherigen Analyse) die Jahre 2011 bis 2017. Eingeschl…

Lesetipp: Wenn es gefälschte Daten in Meta-Analysen schaffen

Ordentlich gemachte systematische Reviews haben ganz zu Recht einen guten Ruf: Fassen sie doch die Studienlage zu einer bestimmten Fragestellung zusammen und leuchten auch aus, wie es um die Qualität der Evidenz bestimmt ist. Oft sind auch quantitative Zusammenfassungen der Studiendaten, also Meta-Analysen enthalten.

Was aber, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Teil der Daten gefälscht war? Das ist zwar glücklicherweise nicht allzu häufig, kommt im Wissenschaftsbetrieb aber leider immer wieder vor. Ein Research Letter, der im März in JAMA Int Med erschienen ist, hat sich das anhand der ARISTOTLE-Studie mit Apixaban einmal genauer angesehen.

Das Forschungsteam hat dazu nach Meta-Analysen gesucht, in die mindestens eine Publikation der Studie eingeflossen ist, und hat 22 gefunden. Die Analysen wurden nachgerechnet und dabei die gefälschten Daten weggelassen. Danach änderten sich bei knapp der Hälfte der Analysen die Schlussfolgerungen. Die 22 Meta-Analysen bestanden aus ins…

Lesetipp: Wie Spin in Nachrichten die Wahrnehmung beeinflusst

Dass die Ergebnisse von Studien in News-Meldungen nicht immer richtig wiedergegeben werden, ist keine Neuigkeit. Zu oft ist da von "Durchbrüchen" oder "Sensationen" die Rede, obwohl vielleicht nur ein Tierversuch dahinter steckt oder nur eine winzige Untersuchung mit einer Handvoll Probanden. Dennoch haben solche Meldungen mit Spin das Potenzial, bei Patient*innen und ihren Angehörigen die Wahrnehmung zu beeinflussen.

Zu diesem Ergebnis kommen drei RCT, die jeweils zwei Versionen einer News-Meldung getestet haben. Dazu hat das Autoren-Team jeweils Original-Meldungen genutzt, die über die Ergebnisse einer Studie berichtete und dabei irreführende Darstellungen benutzten, z.B. die Wirksamkeit übertrieben oder Nebenwirkungen herabspielten Diese Meldungen schrieb das Autorenteam dann um, so dass sie besser den tatsächlichen Studienergebnissen entsprachen.

Rekrutiert wurden die Teilnehmenden der RCTs auf einer großen Online-Patienten-Plattform. In den Untersuchungen wur…

Lesetipp: Systematisch oder schnell?

Eine gründliche systematische Übersichtsarbeit braucht Zeit. So verwundert es nicht, dass die Erstellung von Cochrane Reviews leicht ein bis zwei Jahre dauert, manchmal sogar mehr. In manchen Fällen braucht man jedoch auch schnelle Zusammenfassungen, etwa wenn in einer gesundheitlichen Krise schnell politische Entscheidungen gefällt werden müssen. In den letzten Jahren sind deshalb sogenannte „Rapid Reviews“ in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Das Ziel ist es, den Review-Prozess zu beschleunigen. Welche Methoden dafür angewendet werden, ist sehr divers. Dazu gehören etwa Automatisierungstechniken bei der Literatursuche oder Datenextraktion, aber auch Abkürzungen bei der Methodik.

Sind Rapid Reviews deshalb unzuverlässiger als die herkömmlichen systematischen Reviews? Diese Frage wird derzeit intensiv beforscht. So ist im Mai eine Arbeit im Journal of Clinical Epidemiology erschienen (open access!), die die Konsequenzen der möglichen Abkürzungen systematisch untersucht hat.…

Evidenz-Geschichten: Große Zusammenhänge

Der Kardiologe Franz Messerli ist einer ganz großen Sache auf der Spur: Je mehr Schokolade in einem Land gegessen wird, desto mehr Nobelpreise werden an seine Bürgerinnen und Bürger verliehen. Wenn da nur nicht die Sache mit der Korrelation und der Kausalität wäre ...

Die vollständigen ShowNotes findet ihr wie immer auf der Podcast-Seite bei Podigee oder noch einfacher, wenn ihr im Player auf das kleine "i" klickt.