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Buchtipp: Unanticipated outcomes

Dass bei die Welt bei den medizinischen Fachzeitschriften alles andere als in Ordnung ist, ist kein Geheimnis. Nur selten hat man jedoch die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Den bietet die Autobiografie von Jerome Kassirer, dem ehemaligen Editor in Chief des New England Journal of Medicine (NEJM).

"Unanticipated Outcomes: A Medical Memoir" ist dabei auf mehreren Ebenen spannend: Es erzählt die Geschichte eines "underdogs", der es nach vielen Rückschlägen schließlich schafft, Medizin zu studieren und Arzt zu werden, der eine große Leidenschaft mitbringt und Interesse an seinen Patienten.

Noch interessanter ist jedoch der Teil, in dem er von seinen Erlebnissen beim NEJM in den Jahren 1991 bis 1999 berichtet: Beeindruckend ist seine Weitsicht, nicht nur nützliche Themen für den klinischen Alltag aufzunehmen, sondern auch diejenigen, die für gute Medizin notwendig sind, die Reflexion über das ärztliche Handeln anregen und oft ihrer Zeit voraus s…

Evidenzsprechstunde: Bei dicken weißen alten Männern hilft es doch...

Endlich gibt es mal wieder eine neue Folge der Evidenz-Sprechstunde. Und sie beschäftigt sich mit einem Thema (oder besser gesagt: Problem), das den geneigten Leserinnen und Lesern sicher häufiger in der wissenschaftlichen Literatur unterkommt: Subgruppenanalysen. Bei einer Subgruppenanalyse werden die Ergebnisse nach bestimmten Eigenschaften der Patienten nochmal anders ausgewertet, zum Beispiel: Ist der Nutzen bei Menschen über 60 höher als bei solchen bis 60 Jahre? Oder bei Männern höher als bei Frauen?

Schauen wir uns mal ein Beispiel aus der Werbung an, konkret aus einer Pressemitteilung zu einer Studie mit einem Ginkgo-Extrakt zur Vorbeugung einer Demenz. Da heißt es: "Ein Schutz vor Alzheimer kann bei langfristiger regelmäßiger Einnahme...erwartet werden: Bei Einnahme über mindestens vier Jahre war das Alzheimer-Risiko fast halbiert...Zwar reichte die Anzahl der Demenz-Fälle nicht aus, um die Wirkung für alle Studienteilnehmer statistisch zu beweisen. In einer vorab gepla…

Lesetipp: Zulassungsauflagen und die traurige Realität

Immer öfter werden neue Arzneimittel auf einer eher dünnen Studienbasis zugelassen. Die Idee dahinter: Neue Mittel sollen Patientinnen und Patienten schneller zur Verfügung stehen. Um die damit verbundenen Unsicherheiten im Hinblick auf Nutzen und Risiken aufzufangen, können die Zulassungsbehörden Zulassungsauflagen verhängen, zum Beispiel dass der Hersteller innerhalb eines bestimmten Zeitraums weitere Studien durchführen muss, die so genannten "Postmarketing-Studien".

Das System funktioniert natürlich nur, wenn sich die Hersteller an die Auflagen halten und die Zulassungsbehörden das entsprechend einfordern. Oft ist das allerdings nicht der Fall. Wie es darum in den USA bestellt ist, hat sich ein Autorenteam um Joshua Wallach in einer Analyse im BMJ einmal näher angesehen. Dazu haben die Autoren die Zulassungsauflagen aller zwischen 2009 und 2012 neu zugelassenen Arzneimittel zusammengestellt und bis Mitte November 2017 nachverfolgt. Da neue Erkenntnisse in der Fachöffent…

Hörtipp: Podcasts zu Hype-Themen

Am Wochenende noch nicht vor? Nur einfach entspannen? Dann sind vielleicht diese Podcast-Tipps etwas für euch:

In der vorletzten Folge des Podcasts von HealthNewsReviews geht es um das Hype-Thema "Mikrobiom". Wie weit ist die Forschung rund um den Zusammenhang von Darmbakterien und Gesundheit tatsächlich? Empfiehlt sich eine DIY-Stuhltransplantation? Nicht immer lecker, aber sehr aufschlussreich.

Personalisierte Medizin - noch so ein Buzzword. Darum kümmern sich James McCormack und Mike Allan vom Best Science Medicine Podcast in Episode 384. Unterstützt werden sie dabei von Tim Caulfield, einem Jura-Professor aus Kanada, der alle Arten von gesundheitsbezogenem Unfug aufs Korn nimmt. Was können wir aus genetischen Tests tatsächlich lernen? Verändert das Empfehlungen und Verhaltensweisen?

Aber ihr habt die beiden Podcasts ja sowieso schon abonniert, oder? ODER?

Podcast Evidenz-Geschichte(n): Wenn Evidenz nicht in der Praxis ankommt

Auch in dieser Episode gibt es wieder erschreckende Parallelen zu heute:

Der Gynäkologe Ignaz Semmelweis interessiert sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht nur für Pathologie, sondern auch für Statistik. Und so entdeckt er eines Tages ein auffälliges Muster bei den Sterberaten durch das Kindbettfieber. Nach mehreren Versuchen wird ihm schließlich klar, was gegen die meist tödliche Erkrankung hilft - aber keiner will es hören: Eine Geschichte über die Schwierigkeiten der Implementierung und die tödlichen Folgen schlechter Wissenschaftskommunikation.

Podcast Evidenzbasierte Pharmazie: Journalclub im Mai

Im Mai schauen wir uns eine Studie an, die den Nutzen von Magnesium bei nächtlichen Wadenkrämpfen untersucht.

Oft findet sich für Wadenkrämpfe keine spezifische Ursache, was aber den Leidensdruck der Patienten nicht verringert. Wenn die Wadenkrämpfe nachts auftreten, schmerzt das nicht nur, sondern beeinträchtigt auch den Schlaf. Oft wird dann die Einnahme von Magnesium empfohlen - aber hilft das auch?

Den freien Volltext der Studie findet ihr bei JAMA Int Med.

Maor N et al. Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps. A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2017;177(5):617-623. doi:10.1001/jamainternmed.2016.9261

Wie im Podcast erwähnt, hat medizin-transparent die Datenlage zu Magnesium bei Muskelkrämpfen detailliert analysiert (Stand 2015).

Und nun viel Spaß beim Zuhören und Mit-Kritisieren.







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Musik Ausschnitte aus „I dunno“ von grapes, unter CC BY 3.0


Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative C…

Lesetipp: Verzögerungen bei der Veröffentlichung von Studienergebnissen

Wer sich mit neuen Studienergebnissen beschäftigt, kennt das Phänomen: Ist eine Studie abgeschlossen, veröffentlicht der Hersteller oft eine Pressemitteilung. Werden die Ergebnisse auf einer Konferenz vorgestellt, kommt in der Regel noch ein Abstract hinzu. Dann dauert es aber noch eine ganze Weile, bis die Daten vollständig publiziert werden. Das ist deshalb bedeutsam, weil sich eine Studie in der Regel erst dann richtig beurteilen lässt, wenn alle Daten vorliegen.

Eine Analyse in JAMA Oncology hat sich einmal angeschaut, wie lange diese Verzögerung tatsächlich ist. Die Autoren haben über einen Zeitraum von acht Jahren die Pressemitteilungen zu Phase-III-Studienergebnissen von acht wichtigen Herstellern ausgewertet, die Mittel zur Krebsbehandlung vermarkten. Dabei untersuchten sie, nach wie langer Zeit die Ergebnisse entweder in einem Studienregister (clinicaltrials.gov) oder in einer Fachzeitschrift erschienen sind.

Im Median waren es 300 Tage zwischen Veröffentlichung der Pressemi…