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Posts

Lesetipp: Signifikanzgrenze senken - oder doch ganz anders?

Die meisten wissen es bereits: Die Debatte um den p-Wert geht immer weiter. Über die Probleme, die damit zusammenhängen, hatte ich bereits berichtet. Ende 2017 hatte ein Paper Wellen geschlagen, in dem ein Konsortium von 72 Statistikern vorschlug, den die Signifikanzgrenze auf 0,005 zu senken, also um den Faktor 100 gegenüber dem bisherigen üblichen Wert. Darüber ist breit debattiert worden und natürlich gibt es auch Gegenvorschläge.

Kürzlich hat John Ioannidis in JAMA die Debatte aufgegriffen und einmal die möglichen Alternativen zur Senkung der Signifikanzgrenze zusammengefasst, etwa Bayes'sche Methoden, totaler Verzicht auf p-Werte oder Fokussierung auf auf Effektgrößen und deren Unsicherheit. Gleichzeitig diskutiert er auch, wie wahrscheinlich eine schnelle Umsetzung ist.

tl;dnr: Es gibt keine einfache bessere Alternative, die leicht umzusetzen ist. Ob sich etwas bewegt, hängt auch entscheidend davon ab, ob es entsprechende Anforderungen oder Anreize, etwa von Seiten der Jour…

Lesetipp: Unreported clinical trial of the week

Vor einigen Wochen habe ich über den FDAAA Trials Tracker gebloggt, den ein Team des EbM Data Lab um Ben Goldacre in Oxford gebaut hat. Damit lässt sich nachvollziehen, wie viele Studien, für die eigentlich schon Ergebnisse in clinicaltrials.gov vorliegen müssten, noch nicht veröffentlicht sind.

Jetzt gibt es noch eine interessante Weiterentwicklung: Das Team beschränkt sich nicht nur aufs Zählen, sondern stellt jede Woche im BMJ-Blog eine der unveröffentlichten Studien vor. Damit wird deutlich, welche Auswirkungen die Nicht-Veröffentlichung auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten haben kann.

Die einzelnen Teile der Serien sind in einer eigenen Kategorie zusammengefasst und ein eigener Post stellt das Gesamtprojekt vor.

Lesetipp: The patient revolution - why we revolt

Eine sehr unterstützenswerte Initiative wurde von Victor Montori gestartet, der sich dafür einsetzt, dass sich die Gesundheitsversorgung verändert: weg von einer Massen-Abfertigung und wieder mehr den/die einzelne(n) Patienten/in in den Blick nimmt. Im zugehörigen Buch "Why we revolt: A patient revolution for careful and kind care" erzählt er Geschichten, wie sich die Medizin an so vielen Stellen als herzloses Monster darstellt, das nicht Leben rettet, sondern Lebensqualität frisst. Und dabei könnten kleine Änderungen an manchen Stellen schon so viel für den einzelnen Patienten bewirken - aber lest selbst.

Einen guten Überblick bietet die Website, wo man auch den Link zum Buch findet. Außerdem gibt es auch einen sehenswerten Einführungsvortrag zum Thema.

Podcast Evidenzbasierte Pharmazie: Journalclub im März

Im März schauen wir uns eine Studie an, die sich einem Problem widmet, das vor allem Frauen betrifft: wiederkehrende Harnwegsinfekte. Bei großem Leidensdruck gibt es bisher als Präventionsoption nur eine Antibiotika-Behandlung über einen längeren Zeitraum, die jedoch auch verschiedene Probleme mit sich bringt. In letzter Zeit werden aber auch Präparate mit Mannose für diese Indikation beworben. Helfen sie tatsächlich und sind sie vielleicht sogar verträglicher als die präventive Behandlung mit Antibiotika?

Diese Fragestellung hat die Studie untersuchte, die ich in diesem Podcast bespreche (Zusammenfassung bei PubMed). Leider ist der Volltext offiziell hinter einer Paywall. Über Google Scholar habe ich aber eine freie Fassung gefunden (ohne Garantie, wie lange der Link funktioniert).

Kranjčec B, Papeš D, Altarac S. D-mannose powder for prophylaxis of recurrent urinary tract infections in women: a randomized clinical trial. World J Urol. 2014 Feb;32(1):79-84. doi: 10.1007/s00345-013-10…

Podcast Evidenz-Geschichte(n): Wenn Früherkennung nicht nützt

In der neuesten Evidenz-Geschichte erzählen wir eine alte Story, die aber nach wie vor aktuell ist:

Seit der Mitte der 1980er ist in Japan das Massenscreening auf das Neuroblastom bei Säuglingen im vollen Gange. Dann veröffentlicht der amerikanische Biostatistiker Steven Goodman eine besorgniserregende Analyse der Daten: Kann es sein, dass die Früherkennung gar nichts nützt und vielleicht sogar schadet?



Wer sich für die Details interessiert: Meine Kollegin Silke Jäger hat eine schöne Timeline gebastelt, die einen guten Überblick über den zunehmenden Erkenntnisgewinn bietet:

Storifies zum EbM-Kongress

In der letzten Woche fand in Graz der EbM-Kongress statt. In bewährter Manier gibt es dazu auch wieder drei Storifies, mit denen man einen kleinen Einblick in die Inhalte des Kongresses bekommt. Aber beeilt euch: Weil Storify seine Pforten schließt, sind die folgenden Links nur bis Mitte Mai abrufbar.

[View the story "EbM-Kongress 2018 in Graz - Teil 1" on Storify]
[View the story "EbM-Kongress 2018 in Graz - Teil 2" on Storify]
[View the story "EbM-Kongress 2018 in Graz - Teil 3" on Storify]

YouTube-Tipp: People of science

Heute mal ein etwas allgemeinwissenschaftlicher YouTube-Tipp: Die Royal Society hat mit "People of Science" ein 6-teiliges Format produziert, in dem Menschen aus der Wissenschaft von heute WissenschaftlerInnen aus der Geschichte vorstellen und erzählen, was sie an ihnen bemerkenswert und inspirierend finden - unbedingt ansehen!