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Pharmakogenetik Teil 5: Tamoxifen

Der selektive Estrogenrezeptor-Modulator Tamoxifen wird als "Antihormon" bei bestimmten Formen von Brustkrebs eingesetzt. Der Arzneistoff wird über das Enzym CYP2D6 in die wirksame Form Endoxifen umgewandelt.

Pharmakogenetische Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen bestimmten Polymorphismen von CYP2D6 und niedrigen Wirkspiegeln von Endoxifen gezeigt. Studien zu krankheitsbezogenen Outcomes (etwa krankheitsfreies Überleben) haben jedoch widersprüchliche Ergebnisse geliefert. In einer Metaanalyse aus bisher vorliegenden Studiendaten ließ sich in der primären Analyse kein Zusammenhang zwischen CYP2D6-Status und dem Erfolg der Tamoxifen-Behandlung herstellen. Erst nachträglich spezifizierte Subgruppenanalysen zeigten einen solchen Zusammenhang (1). Ein begleitender Kommentar (2) zeigt auf, wie fraglich ein solches Vorgehen ist (Stichwort: multiples Testen) und zitiert dabei ironisch Jeffrey Hooper:

Data do not give up their secrets easily. They must be tortured to confess.
Der CYP2D6-Status scheint nach Ansicht der Kommentatoren nur ein kleiner Baustein bei der (Nicht-)Wirksamkeit von Tamoxifen zu sein - so spielen vermutlich die Adhärenz und/oder die gleichzeitige Behandlung mit CYP2D6-Inhibitoren eine deutlich wichtigere Rolle. Prospektive Studien zur Validierung des CYP2D6-Status als Prädiktor der Tamoxifen-Therapie fehlen bisher.

Zum gleichen Ergebnis kommt auch der diesjährige Innovationsreport der TK und rät vom routinemäßigen Einsatz des Tests ab. Eine bessere Alternative ist möglicherweise die Bestimmung von Endoxifen im Blut: So lassen sich nicht nur die Auswirkungen der Pharmakogenetik, sondern auch von weiteren Faktoren abbilden (3).

(1) Clinical Pharmacology & Therapeutics (2014); 95 2, 216–227 Open access
(2) Clinical Pharmacology & Therapeutics (2014); 96 2, 144–146. doi:10.1038/clpt.2014.100
(3) TK Innovationsreport 2014, S. 113/114

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