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Sichere Arzneitherapie im Alter: Die hausärztliche Leitlinie Multimedikation

Als eine Ursache von Multimedikation und den damit verbundenen Problemen wird häufig auch eine unreflektierte Übernahme von Leitlinienempfehlungen genannt. Gerade für ältere Patienten ist es ungünstig, dass viele Leitlinien das Problem der Polypharmazie nur unzureichend berücksichtigen und etwa keine Hinweise geben, in welchen Fällen auf eine bestimmte Medikation auch verzichtet werden kann.

Aus diesem Grund hat die ärztliche Leitliniengruppe Hessen, eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), eine Leitlinie entwickelt, die sich speziell mit dem Thema Multimedikation beschäftigt. Sie bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie die Arzneimitteltherapie bei älteren Patienten sicherer werden kann.

Zu diesen wichtigen Schritten gehört etwa eine regelmäßige Bestandsaufnahme der eingenommenen Arzneimittel, auch der Mittel aus der Selbstmedikation und von Nahrungsergänzungsmitteln. Außerdem soll die Therapietreue des Patienten überprüft werden. In regelmäßigen Abständen sollte auch für jedes Arzneimittel kritisch hinterfragt werden, ob es tatsächlich weiter nötig ist, besser durch ein anderes ersetzt oder sogar ganz abgesetzt werden sollte. Dabei können auch die bereits vorgestellten Tools wie etwa die FORTA-Kriterien genutzt werden.

Besonderes Augenmerk legt die Leitlinie auf Interaktionen und die Dosisfindung, bei der in der Regel auch die Nierenfunktion des Patienten berücksichtigt werden muss. Nicht zu vergessen ist auch, dass in manchen Fälle auch eine Untertherapie problematisch sein kann, etwa wenn bei einer Opioid-Behandlung nicht gleichzeitig Laxanzien verordnet werden.

Hilfestellung bietet die Leitlinie auch bei der Prioritätensetzung, wenn der Patient etwa Probleme mit Nebenwirkungen hat oder durch eine komplexe Therapie überfordert ist. Dann wird ein shared decision making empfohlen, bei dem der Patient seine eigenen Präferenzen in die gemeinsame Entscheidungsfindung einbringt.


Nicht zuletzt sollte auch ein Medikationsplan erstellt werden - denn nur so können alle Gesundheitsfachberufe, die an der Behandlung des Patienten beteiligt sind, einen Überblick über die eingenommenen Arzneimittel bekommen.



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